Öresundbrücke: Geschichte, Zahlen & Fakten

Seit dem 1. Juli 2000 verbindet die Öresundbrücke Dänemark und Schweden – ein Jahrhundertbauwerk aus Brücke, künstlicher Insel und Unterwassertunnel. Hier sind die Fakten, kompakt und belegt.

Die Öresundverbindung auf einen Blick

Öresundbrücke über den Sund, Blick vom schwedischen Ufer bei Lernacken
Die Hochbrücke mit ihren 203,5 m hohen Pylonen, gesehen vom schwedischen Brückenkopf. Foto: Jorchr / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Eröffnung1. Juli 2000 (Einweihung durch König Carl XVI. Gustaf und Königin Margrethe II.)
Gesamtlänge der festen Verbindungca. 15,9 km – Brücke 7.845 m, Insel Peberholm 4.055 m, Drogden-Tunnel 4.050 m
Hochbrücke1.092 m lang, Hauptspannweite 490 m, Durchfahrtshöhe 57 m
Pylone4 Pylone, je 203,5 m hoch – höher als jedes Gebäude in Dänemark oder Schweden
RekordLängste Schrägseilbrücke der Welt für kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr
VerkehrsebenenOberdeck: 4-spurige Autobahn mit Standstreifen · Unterdeck: 2-gleisige Eisenbahn
Baukosten30,1 Mrd. DKK für die Gesamtverbindung (Preisstand 2000), davon ca. 19,6 Mrd. für die Brücke
BetreiberØresundsbro Konsortiet – je 50 % im Besitz des dänischen und des schwedischen Staates
Refinanzierungüber Maut- und Bahnentgelte, vollständige Rückzahlung laut Betreiber-Prognose bis 2050
Verkehr (2025, Rekordjahr)Ø 21.925 Fahrzeuge/Tag, gut 8 Mio. Passagen im Jahr, dazu über 40.000 Bahnreisen täglich über den Sund

Quellen: Øresundsbro Konsortiet (oresundsbron.com, Geschäftsbericht 2024, Verkehrsstatistik 2025). Stand: August 2026.

Von der Idee zum Jahrhundertbauwerk

Pläne für eine feste Querung des Öresunds gab es seit dem 19. Jahrhundert – ernst wurde es erst, als Dänemark und Schweden am 23. März 1991 den Staatsvertrag unterzeichneten. Die Idee dahinter war größer als eine Abkürzung: Kopenhagen und Malmö sollten zu einer gemeinsamen Wirtschaftsregion zusammenwachsen.

Der architektonische Entwurf stammt vom dänischen Architekten Georg K. S. Rotne, die Ingenieursleistung von Ove Arup & Partners (Jørgen Nissen, Klaus Falbe Hansen) gemeinsam mit Niels Gimsing. Ihre Grundidee: eine Brücke, die nicht dominiert, sondern den weiten Horizont des Sunds betont – mit der Eisenbahn versteckt im Fachwerkträger unter der Fahrbahn.

Brücke, Insel, Tunnel: Warum die Verbindung dreigeteilt ist

Von Schweden kommend fahren Sie zunächst über die 3.739 m lange Ostrampe, dann über die Hochbrücke mit ihren vier Pylonen und die 3.014 m lange Westrampe. Danach folgt die künstliche Insel Peberholm – und plötzlich taucht die Autobahn ab: Die letzten 4.050 m bis zur dänischen Küste verlaufen im Drogden-Absenktunnel unter dem Meer.

Der Grund ist praktisch: Die Drogden-Rinne ist eine der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen des Öresunds, und direkt daneben liegt der Flughafen Kopenhagen-Kastrup. Eine Brücke hätte hier hohe Pylone in die Einflugschneise gestellt. Der Tunnel wurde aus 20 vorgefertigten Elementen auf dem Meeresboden abgesenkt und umfasst fünf Röhren: zwei für die Autobahn, zwei für die Eisenbahn, eine für Service und Flucht.

Öresundbrücke mit Leuchtturm am Aussichtspunkt Lernacken auf schwedischer Seite
Blick vom schwedischen Brückenkopf bei Lernacken – hier beginnt die Ostrampe. Foto: © Ingo Kroll

Selbst hinschauen

Den besten kostenlosen Blick auf das Bauwerk gibt es am Aussichtspunkt Lernacken direkt hinter der schwedischen Mautstation – mit Steinmole, Picknickplätzen und dem alten Leuchtturm.

Peberholm: Die Insel, die die Natur erobert hat

Die 130 Hektar große Insel Peberholm („Pfefferholm“) wurde 1995–1999 aus rund 9 Millionen Kubikmetern Baggergut aufgeschüttet, das beim Ausheben der Tunnelrinne anfiel. Der Name ist ein Wortspiel: Die natürliche Nachbarinsel heißt Saltholm („Salzholm“) – also bekam die neue Insel das passende Gewürz.

Das Besondere: Auf Peberholm wurde nichts angepflanzt. Biologen überließen die Insel komplett sich selbst – ein einmaliges Freiluftlabor. Das Ergebnis nach 25 Jahren: rund 600 Pflanzenarten, etwa 30 brütende Vogelarten, dazu seltene Spinnen und Amphibien. Die Insel ist heute Natura-2000-Schutzgebiet und darf nur zu Forschungszwecken betreten werden. Seit 2023 liefert zusätzlich eine 10.000 m² große Solaranlage auf der Insel knapp die Hälfte des Strombedarfs der gesamten Verbindung.

Was die Brücke für die Region bedeutet

Vor 2000 pendelten Fähren zwischen Kopenhagen und Malmö – heute ist der Öresund die am stärksten integrierte Grenzregion Skandinaviens. 2025 querten im Schnitt 21.925 Fahrzeuge pro Tag die Brücke, dazu kommen über 40.000 Bahnreisen täglich; knapp jedes fünfte Auto fährt inzwischen elektrisch. Zehntausende leben auf der einen und arbeiten auf der anderen Seite des Sunds.

Für Schweden-Urlauber ist die Brücke schlicht der schnellste Weg von Kopenhagen nach Skåne: 10 Minuten Fahrt, oben der Blick über den Sund – und auf der anderen Seite Malmö, Lund und die Küsten Südschwedens. Was die Überfahrt kostet, zeigt der Mautrechner; alle Spartipps stehen im Maut-Guide.

Häufige Fragen zur Öresundbrücke

Wann wurde die Öresundbrücke eröffnet?

Am 1. Juli 2000, nach nur fünf Jahren Bauzeit für die Küste-zu-Küste-Verbindung. Den Staatsvertrag hatten Dänemark und Schweden 1991 geschlossen.

Ist die Öresundbrücke die längste Brücke Europas?

Nein – aber sie ist die längste Schrägseilbrücke der Welt für kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr. Die Brücke selbst misst 7.845 m, die gesamte feste Verbindung inklusive Insel und Tunnel rund 15,9 km.

Wem gehört die Öresundbrücke?

Dem Øresundsbro Konsortiet, das je zur Hälfte dem dänischen und dem schwedischen Staat gehört. Die Baukosten von 30,1 Mrd. DKK werden über die Maut refinanziert – voraussichtlich bis 2050.

Kann man die Öresundbrücke zu Fuß oder mit dem Fahrrad überqueren?

Nein, die Brücke ist Autobahn und Eisenbahnstrecke – Fußgänger und Radfahrer nehmen den Zug (Fahrradmitnahme möglich) oder die Fähre Helsingør–Helsingborg. Mehr dazu: Mit dem Fahrrad nach Schweden.

Darf man Peberholm besuchen?

Nein, die künstliche Insel ist Naturschutzgebiet (Natura 2000) und nur für Forschung zugänglich. Von der Autobahn aus sieht man die Insel bei der Überfahrt gut – anhalten ist dort aber nicht erlaubt.

Ingo Kroll an der Öresundbrücke

Ingo Kroll

schreibt seit vielen Jahren über Fährrouten und Reiseziele rund um die Ostsee – und hat die Öresundbrücke selbst unzählige Male überquert, zuletzt für die Fotos vom Aussichtspunkt Lernacken auf dieser Seite.

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